Was andere dazu sagen

Kritik aus der Südwest Presse - Das neue Buch: Link

Südwest Presse Ulm, 23.07.2015

Besprechung zu Jazz in den Wolken von Wolfgang Schneider im "Forum Buch": Link zur Besprechung

SWR2, 14.06.2015

Bericht von Christian Metz

FAZ, 20.05.2015

Bericht von Dorothee Hermann

Schwäbisches Tagblatt, 26.03.2015

Theo Breuer zu "Jazz in den Wolken"

Theo Breuer

"Gedicht & Geduld" von Hellmuth Opitz

fixpoetry.com, Hellmuth Opitz

Wenn es Exemplarisches gibt in diesen Gedichten, dann ist es aber weniger die Kürze, sondern eine fragile Balance aus Klängen und Bildern in sorgsam durchkomponierten Wortgebilden. Es sind Texte, die eine hohe Schule des poetischen Stilllebens vorführen, von spröder, häufig gebrochener Rhythmik, aber trotzdem voller Musik.

Diese Gedichte kommen nicht laut, sondern leise daher, vermeiden die großen Gesten und sind gerade darum so nah am Leser. Es gibt keine künstlichen Wortschöpfungen, keine laute Zeitgenossenschaft, sondern nur raffinierte Schlichtheit darin.

Widmar Puhl, SWR2, 19.01.2011

Ulrike Draesner über Christine Langer: "Prekäre Balancen: aus Nichts, Kleinstem, einem Stück Natur alles machen, voller Luft und Zeit, mit seinen lebendigen Wesen am Rand. Mitten darin mindestens ein überraschender Vers, der hervorwächst aus dem Bild von Wirklichkeit und Laut und alles lohnt. Langsam im Auftritt, stark im Nachklang - Gedichte als belebte Stilleben: beginnen zu glänzen und "geben in jeder Richtung Wünsche frei."

Ulrike Draesner

Mirko Bonné über Christine Langer: "Naturgedicht ist zu wenig gesagt, und nicht der romantische Blick ist hier am Werk. Unbeirrt, unbestechlich forscht Christine Langer nach Rückzugsorten des Gefühls, nicht gefühlig, nicht vernagelt, vielmehr verblüfft, erfüllt von Pracht. Diese Gedichte beharren auf dem "Noch immer". Erinnerungsmuster, Klangstruktur und graphisches Raffinement vereinen sich bei Christine Langer zu einer Folie des Staunens auch vorm Banalen, schon halb Zerstörten und in den Orkus der Warenhäuser Gesunkenen.

Mirko Bonné

Steffen Jacobs über Christine Langer: "Sprachmelos, nachfühlende Naturbeobachtung und etwas so Rares wie robuste Sensibilität finden in diesen Texten zueinander."

Steffen Jacobs

Kurt Drawert über Christine Langer: "Christine Langers Gedichte sind suchende und fragende Auseinandersetzungen eines Sprechenden in der Sprache und dadurch von jener Komplexität, durch die Lyrik erst interessant und unverwechselbar wird."

Kurt Drawert

Friederike Mayröcker schrieb zu Christine Langer: "Diese Gedichte sind einfach sehr schön."

Friederike Mayröcker

Dorothea von Törne zu Christine Langer: "Langweilig ist es hier nirgends. Das tummelt und tollt durchs Gras wie bei Annette von Droste-Hülshoff, das tobt durchs Unterholz wie Helga M. Novak."

Dorothea von Törne, DIE WELT, 13.11.2010

Rolf Michaelis über Christine Langer: "Zu entdecken: eine große Dichterin."

Rolf Michaelis, DIE ZEIT, 24.05.2007

Kurzkritik von Christian Döring

Christian Döring, 11.03.2011

Rezension aus den Stuttgarter Nachrichten vom 7.3.2011

Thomas Morawitzki, Stuttgarter Nachrichten vom 07.03.2011

SWR2, Die Buchkritik: Christine Langer: "Findelgesichter"

zum Anhören: Audioversion

zum Lesen: Printversion

Widmar Pohl, SWR2 vom 19.2.2011

Das wirkt nur an der Oberfläche wie ruhige Anschauung - haikuhaft knapp oder in einfachen Sätzen. Von altmodischen Gedichtüberschriften wie "Die Tulpe", "Der Morgen", "Die Winterkrähe" lasse man sich nicht täuschen. Je eindeutiger die Überschriften, um so offener die Szenen des Kopfkinos, die sie in Gang setzen. "Findelgesichter" der Titel erinnert an Goethe: "Ich ging im Walde so für mich hin....". Tatsächlich steht auch der vierte Lyrikband der 1966 in Ulm geborenen und daselbst lebenden Autorin in einer langen Tradition der Allianz von Natur- und Liebesdichtung. Klassische Ästhetik aber versucht die Autorin nicht zu kopieren. Dafür ist die Herausgeberin der Literaturzeitschrift "Konzepte" zu kundig. Wie zufällig entdeckt aber wirken ihre natürlichen Fundstücke, zu denen Kieselsteine und "blinkenden Phantasien" ebenso gehören wie Tiere und Pflanzen, das brüchige "Wetterkind" Eichenblatt, die Raubvögel, die Huftiere und die zahlreichen Katzen, die von Sarah Kirschs Schleswig-Holsteinischem Tielenhemme aus ins Baden-Württembergische hinüber zu fauchen scheinen.

Langweilig ist es hier nirgends. Das tummelt und tollt durchs Gras wie bei Annette von Droste-Hülshoff, das tobt durchs Unterholz wie Helga M. Novak in den "Sylvatica". Die Autorin beobachtet die sich immerfort wandelnden Abläufe der Tages- und Jahreszeiten, betreibt nachfühlende Naturbeobachtung. Damit ist sie offenbar zu Gast in "Wahrzeichen eines früheren Jahrhunderts" - wie im Gedicht "Zwischenstation". Christine Langer nimmt sich Zeit, lässt Lebensaugenblicke präzise aufleuchten. Nie werden die Beschreibungen ausschweifend, immer konzentrieren sie sich auf das Erleben des sprechenden Ichs in Bildern, Geräuschen, Düften, die sich unversehens in ihr Gegenteil verkehren können. Soviele ineinander über gehende Farbnuancen, ("Neun Arten von Grün"), so leicht und luftig miteinander verknüpfte Sinneseindrücke, Synästhesien, die von intensivem Empfinden künden. Anders als im vorangegangen Band "Lichtrisse" (2007) verbindet die Autorin die Themen Natur und Erotik subtil. Keine offenherzigen Szenen mehr, stattdessen "die Lust zu sehen", Körperlust in Licht, Luft und Wind.

Dorothea von Törne, "Die Welt" vom 13.11.2010

Es gibt wohl nur wenige Lyrikerinnen und Lyriker im deutschsprachigen Raum, die sich so intensiv und gekonnt wie Christine Langer der Naturlyrik verschrieben haben. Nachdem vor drei Jahren ihr Gedichtband "Lichtrisse" erschien, legt sie nun mit "Findelgesichter" nach. Und es ist offensichtlich, dass die neuen Naturgedichte zu einem großen Teil noch dichter, noch einfühlsamer sind, dabei von einer Leichtigkeit und formalen Unangestrengtheit, die dem Leser ein poetisches Naturerlebnis erster Güte ermöglichen.

Auch in ihrem neuen Gedichtband unternimmt Christine Langer ausgedehnte Exkursionen in vielfältige Kulturlandschaften, die wir heute Natur zu nennen pflegen, ergründet deren Oberflächen ebenso wie die darunter zum Vorschein kommenden Geheimnisse. Ihr poetisches Interesse entzündet sich dabei an Landschaften und Wetterphänomenen, an Tieren und Früchten, am Auffälligen wie am Unscheinbaren, an allem eben, was die Natur zu bieten hat. Christine Langer ist eine ungemein neugierige Dichterin: Voller Empathie wagt sie den klaren, unverstellten Blick in die Natur, stutzt und staunt, wenn sich "in spreizenden unmerklich geöffneten Zweigen Neues überbricht" - und gewinnt so "blinkende Muschelphantasien fürs Kinderauge."

Doch damit gibt sie sich noch lange nicht zufrieden. Der erste Blick auf die vermeintlichen Idyllen bohrt weiter und richtet sich auf das, was darunter liegt, auf die versteckte "Unruhe im Unterholz", auf die eisigen "Reifgespinste" des Winters sowie die "Faulstellen" hitziger Hochsommertage. Langers Interesse gilt nicht dem Hochglanz romantischer Sonnenuntergänge, vielmehr dem "Licht in den Pfützen", den im Schatten verborgenen Schätzen, den Goldkörnern im Schlamm. Durch das Beharren auf die Vielfältigkeit der Natur wird bei Langer selbst ein "Misthaufen" zum Weltwunder, das danach verlangt, in einem Gedicht verewigt zu werden: "Weiße Halme neben goldnen bilden Muster Rätsel kleine Höhlen und Verstecke" - und ganz oben auf dem Haufen setzt die "Rabenkrähe einen Punkt ins Gedächtnis ins Gedicht."

Langer versucht stets, das Natürliche - und damit auch das Menschliche - im ambivalenten Rohzustand zu betrachten, um Himmel und Erde, Morgen und Abend, Lichtfunken und Schattenseiten zu "Wahrzeichen" und "Stimmgabeln" für ihre Gedichte zu machen. So wird die Natur in all ihren Facetten zum Spiegel, zum Abbild der eigenen Seele, zur Seelenlandschaft und damit zum Zentrum der poetischen Darstellung: "Erde die aufbricht unter meinem Blick" bekommt "Regen-, Pfauen-" oder "Katzenaugen", die Natur schaut zurück, lässt Einblicke in ihre Unergründlichkeit zu und wird zu "Gold das beim Anblick in dich übergeht wie ein flehendes Wort". Auf diese Weise vermögen Langers Gedichte Zärtliches und Brutales, Härte und Milde, Wut, Liebe und Trauer zu vereinen. Voraussetzung für diese innige und poetisch inspirierende Beziehung zur Natur ist Hingabe, denn "Hinhören ist ein anderes Wort für Hineinwachsen". Christine Langer versucht der Natur so nah wie nur möglich zu sein, "auf Füßen wie Tatzen so nah". Eine hautnahe Erfahrung, ein fast erotischer Akt der Verschmelzung, reine Poesie.

aus der Kritik zu "Findelgesichter" im poetenladen von Peter Kapp

Diese Dichterin vermag es, ihren Erfahrungsschatz auf poetische Weise mit ihren Lesern zu teilen, weil sie es nicht scheut, Emotionen zu äußern. Viel von dem zerebralen Aufwand, der nicht selten in der Gegenwartslyrik betrieben wird, um nur ja nicht in den Verdacht des Klischees oder der Gefühlslastigkeit zu geraten, erscheint nach der Lektüre dieses Bandes, der vorwiegend Naturgedichte enthält, beinahe pathetisch.

Freudige Gesänge an das Gras, die Fichtenbäume oder die Kraniche, die "Streicher der Wolken", sind zu hören. Wie schon die Texte ihres viel beachteten Debütbands "Lichtrisse" erscheinen viele Gedichte aus "Findelgesichter", als seien sie noch im Gehen entstanden. Der Rhythmus dieser Bewegung ist manchen Texten derart eingeschrieben, dass ich während der Lektüre versucht war, mir die Dichterin, mit Bleistift und Block bewehrt, durch ihre Lieblingslandschaften wandernd vorzustellen. Kaum glaublich, dass der frische Landwind, der nicht selten durch diese Texte weht, durch beharrliche Arbeit am Schreibtisch entstanden, dass das Rote-Backen-Gefühl, das sich während des Lesens einstellte, das Ergebnis reiflicher Überlegung ist. Die Mühen des Poetenalltags sind Langers Versen nur selten anzumerken; das gilt ganz besonders für Gedichte wie das folgende, dessen Schritttempo durch zahlreiche Alliterationen erhöht wird:

Hier verwandelt Christine Langer die Verführungen der üppig sprießenden Natur derart gekonnt in Verführungen der Sprache, dass selbst der hartnäckigste Stubenhocker nach der Lektüre einen Ausflug in Erwägung ziehen wird. Nicht wenige andere Gedichte sind ebenfalls ähnlich "nah an den Gewächsen Gestalten", auch wenn längst nicht alle so viel frühlingshafte Bewegung enthalten. Langsamer wird der sprachliche Rhythmus der Dichterin, wenn sie zum Beispiel Details betrachtet: "Die Pflaume", "Die Birne", "Das Weidenkätzchen" heißen Gedichte, die den Band eröffnen. Diese Überschriften wirken wie aus einem Bestimmungsbuch entnommen, deshalb ging ich mit nüchternen visuellen Vorstellungen an die Texte heran und war umso überraschter über Langers poetische Pflanzenkunde: "Die Sonne fällt in Flaum", heißt es beispielsweise in "Das Weidenkätzchen", und die enorme Wuchskraft der Salixpflanzen wird sehr gelungen mit "diese empor sprießenden schießenden Gesten" beschrieben. Botanisches Grundwissen ist für die Lektüre speziell dieser Texte zwar manchmal hilfreich, aber nicht Voraussetzung; viel wichtiger ist wohl die Bereitschaft, sich auf sensorische Art und Weise auf die Gedichte einzulassen. Wer schon einmal Weidenkätzchen durch seine Finger gleiten hat lassen, wird sich wieder an ihre Schmiegsamkeit erinnern und den Strauch beim nächsten Frühlingsspaziergang bestimmt nicht links liegen lassen. Schade nur, dass Langer diesen Text mit "Blütenkatzen // Rilkes Augen: sein Panther // An Ort und Stelle" beschließt. Beinahe abstrakt erscheint dieser Literaturverweis angesichts des ansonsten geradezu multisensorisch nachvollziehbaren Gedichts.

Vollkommen gelungen hingegen der Text, der den Ponte Vecchio in Florenz besingt: "Zwei Ruder tauchen ein / In den Arno tauchen auf / Zwei Ruder unter den Bögen aus Stein / die spiegelnd bestehn / Ein Fingerzeig auf die Taube / Die pickt auf dem warmen Asphalt". Sofort erinnerte ich mich an meine spontane Begeisterung für dieses Bauwerk, als ich es, siebzehnjährig, das erste Mal erblickte, und fühlte mich nicht im Geringsten durch den abschließenden symbolbehafteten Fingerzeig gestört.

"Ich hole mir Wärme // aus meinen tiefen Manteltaschen", heißt es in einem Text, der einen Wintertag beschreibt. Wiewohl am Ende dieser Verse der "Himmel kippt" und der Mond verschwindet, bleiben doch diese Taschen im Gedächtnis, weil sie beispielhaft sind für Christine Langers Gedichte: Sie sind tief und enthalten Wärme, selbst an einem kalten Wintertag.

Kritik zu "Findelgesichter" im poetenladen von Christian Lorenz Müller

Schönsein heißt so viel wie Lust am "Schauen" - voyeuristische Leidenschaft wohnt dem ungemein sensiblen Blick von Christine Langer inne. "Findelgesichter" lautet der Titel ihres neuen Gedichtbandes. Mal munter, dann wieder melancholisch führt er uns auf poetische Entdeckungsreise durch die verwinkelte Wunderkammer der Natur, in deren Untergehölz sich "das Innerste entlarvt". Sei es die Spurensuche nach "Flimmertierchen Blütenkatzen", das Bestaunen von Pappeln, die "Spitzen spreizen und ranken" oder sei es schlichtweg das Versunkensein in die "Streicher der Wolken" - Schönheit liegt dort, wo Natur unser Sehen einfängt und das Bezaubernde in uns erblühen lässt.

Manches "rückt näher, gewinnt an Körperlichkeit", während anderes als fotografische Sprachkulisse zur Ruhe findet. Mit artistischem Feingefühl entwirft Langer malerisch zweckfreie Bilder, die entrücken und verzücken, ohne dabei ihre Geheimnisse preiszugeben. "Bleiches Geflimmer nah an der Erde" macht sich breit. Woher es stammt, bleibt der Vorstellungskraft überlassen. Natur ist eben doch "ein ungeöffnetes Buch". Wir sollten es mit Vorfreude und Fantasie lesen.

Björn Hayer, Stuttgarter Zeitung vom 17.11.2010

Prekäre Balancen: aus Nichts, Kleinstem, einem Stück Natur ("neun Arten Grün") alles machen, voller Luft und Zeit, mit seinen lebendigen Wesen am Rand. Mitten darin mindestens ein überraschender Vers, der hervorwächst aus dem Bild von Wirklichkeit und Laut und alles lohnt. Langsam im Auftritt, stark im Nachklang - Gedichte als belebte Stilleben: beginnen zu glänzen und "geben in jeder Richtung Wünsche frei."

Ulrike Draesner

Über fliegende Kraniche heißt es bei Christine Langer, sie glichen "Lilien, Linien, / Weithin, luftig, licht". Und drei Zeilen später: "Ein Gedicht, ein Stück / Geschichte, wiederbelebt, / Das Lüfte durchkämmt, / Takte, Blicke / Im Geäst hängen läßt".

Naturgedicht ist zu wenig gesagt, und nicht der romantische Blick ist hier am Werk. Unbeirrt, unbestechlich forscht Christine Langer nach Rückzugsorten des Gefühls, nicht gefühlig, nicht vernagelt, vielmehr verblüfft, erfüllt von Pracht. Diese Gedichte beharren auf dem "Noch immer". Erinnerungsmuster, Klangstruktur und graphisches Raffinement vereinen sich bei Christine Langer zu einer Folie des Staunens auch vorm Banalen, schon halb Zerstörten und in den Orkus der Warenhäuser Gesunkenen.

Mirko Bonné

"Wer für heute genug hat von der lautstarken Zeitgenossenschaft der neuesten neuen Berlin-Mitte-Dichter oder dem versifizierten Schulfunk derer, die glauben, daß "Lyrik heute" das Genom zum Inhalt haben müsse und nicht auch Kraniche in den Blick nehmen dürfe - der kann und soll sich an den Gedichten Christine Langers erfrischen: Sprachmelos, nachfühlende Naturbeobachtung und etwas so Rares wie robuste Sensibilität finden in diesen Texten zueinander."

Steffen Jacobs

Die Lautstärke in Christine Langers Gedichten meint besonders die Stille, das Nicht-Laute, das mich verwundert. Ich staune, wie unauffällig diese Beschreibungen, sich oft erst beim dritten oder vierten Lesen öffnen. Ganz wie eine unscheinbare Blüte, die erst nach mehrmaligen Hinsehen ihre Schönheit preisgibt. Keine Sensationen, kein aufgedrehter Effekt, der den Betrachter bannt. Und erst nachdem die Sinne geschärft sind, die Empfindlichkeit aufgedreht wird, finden sich geradezu expressive kräftige Worte. Ihre Gedichte sind dann plötzlich sehr laut, je mehr Tage ich damit verbringe, desto stärker wird ihr Klang. Vergleichbar einem dunklen Raum, der erst nach einer langen Eingewöhnungszeit seine Lichter zeigt. Das ist eine beeindruckende Art, mit Lautstärke umzugehen. Was mich inspiriert an Christine Langers Arbeit ist die Attraktivität der Stille. Erleuchtend wie ein Spaziergang im Herbst.

Axel Plöger, Bildender Künstler

Besprechung von Michael Starcke

Michael Starcke, fixpoetry, 18.03.2011

Von Flockenglocken und Schattenhüten

Otfried Käppeler, SWP vom 23.10.2010

Auch ein Misthaufen kann ein Weltwunder sein

Michael Peter Bluhm, Augsburger Allgemeine vom 19.08.2011

Stillleben fürs Kopfkino

Roland Mayer, NUZ vom 09.11.10

Die Ulmerin Christine Langer gehört inzwischen zu den am meisten beachteten Lyrikerinnen im Südwesten. Soeben ist ein neuer Gedichtband von ihr erschienen. Die Natur bleibt ein großes poetisches Thema.

Lyrik zu schreiben, das ist ein hartes Brot - monetär betrachtet. Kaum ein Leser würde zwar sagen, dass ihn Lyrik nicht interessiere, doch wer kauft schon einen Band mit Lyrik? So sind die Auflagen von Gedichtbänden meist niedrig und stehen damit in keinem Verhältnis zu den Mühen, die sie von dem Schreibenden abverlangen.

Auch die 1966 in Ulm geborene, und in Neu-Ulm lebende Christine Langer, eine gelernte Kauffrau, die mit ihrem letzten Gedichtband "Lichtrisse" in den Feuilletons der großen deutschen Zeitungen meist sehr gute Besprechungen erhielt, geht in Teilzeit einem Brotberuf in einer neurologisch-psychiatrischen Praxis nach.

Gespannt ist die Lyrikerin natürlich jetzt, wie ihr neuer Gedichtband "Findelgesichter" aufgenommen werden wird. In ihm ist wieder die Natur ein großes Thema, wenn etwa dem Raps, dem Mohn oder den Weidenkätzchen Gedichte gewidmet sind. Allerdings findet der Leser hier eine assoziative Naturauffassung ohne hymnische Beschreibung vor. In "Der Sommer" heißt es etwa: "Der Schatten einer Rabenkrähe/ Bewegt sich langsam über verlassene/ Koppeln die Pferde ruhen seit Stunden/ Im Stall die Zeit steht/ Mit der Sonne im Zenit:/ Gebranntes Gras/ Hat die Farbe von Stein". Beschrieben wird eine Gluthitze, Thema aber ist eine allgemeine Bedrohung, die über allem liegt, aber nicht wirklich fassbar wird und die eigentliche Spannung des Gedichts erzeugt.

Häufige Zeilensprünge (Enjambements), Alliterationen und ungewöhnliche Komposita wie etwa das titelgebende "Findelgesichter" prägen die Gedichte von Christine Langer. Wichtig sind zudem der Rhythmus und die Musikalität der Sprache, so die Lyrikerin, denn man "kann sich auch am Klang der Sprache reiben". Wenn Christine Langer für das Schreiben eines Gedichts eine "gewisse Wahrnehmungslust" bei sich voraussetzt, dann gilt das genauso für den Leser ihrer Gedichte. Auch der muss offen sein für ihre formalen Experimente, ihre assoziativen Verknüpfungen und Sprünge - in der Landschaft und in den Wortfeldern. Damit die Verse nicht konstruiert wirken, müsse das Gedicht beim Schreiben ein Eigenleben entwickeln, und manchmal reiche der Atem eines im Entstehen begriffenen Gedichts auch nicht aus, dann müsse sie abbrechen.

Auf die Frage, ob sie jeden Tag zu bestimmten Zeiten am Schreibtisch sitze und schreibe, meint Christine Langer: "Ein Gedicht zu schreiben, kann man sich nicht vornehmen. Wenn ich schreibe, muss ich ganz bei mir sein und ein sinnliches Bewusstsein entwickeln." Es ist also nicht die genialische Eingebung, der schnelle Geniestreich, der ein Gedicht quasi aus dem Nichts aufs Papier zaubert. "Was zählt, ist der kleine Weg", so die Schriftstellerin.

Einen großen Sprung nach Berlin zu machen, hat sie sich auch überlegt. Doch sie ist in Neu-Ulm geblieben. Hier hatte sie über zehn Jahre beim Verein der Ulmer Autoren den ersten Vorsitz, den sie 2010 abgegeben hat. Zudem ist sie alleinige Redakteurin der jährlich erscheinenden "Konzepte", einer Zeitschrift für Literatur, die vom Bundesverband junger Autoren herausgegeben wird. In ihr veröffentlichen namhafte Autoren wie Kurt Drawert, Jan Wagner oder Friederike Mayröcker Gedichte, Prosa und Essays. Dazu gibt es die Rubrik "Quergelesen" von Christine Langer, in der die Autorin neue Lyrikbände und Romane vorstellt. Wenn man sich auch nicht vornehmen kann, ein Gedicht zu schreiben, so doch, sagt die Autorin, sich mit Literatur zu beschäftigen. Das gilt natürlich auch für alle Leser, die sich mit Langers neuem Gedichtband auseinandersetzen können.

Suedwest Presse am 26.08.2010

"Trotz der wohl schon zu allen Zeiten und von unzähligen Dichtern reichlich gesuchten Annäherung an Natur und Jahreszeiten, überzeugt bei Christine Langer ein unverkennbar eigener lyrischer Ton, eine ganz eigenständige Suche nach unserem Verhältnis zur sich dauernd wandelnden Natur im Tages- und Jahresverlauf. Diese Lyrik überzeugt durch einen unaufgeregten Duktus, scheint fragil und unerschütterlich zugleich, ist geprägt von einem ruhig fließenden Rhythmus, der genug Zeit läßt für eigene Erkundungen und Reflexionen in den von der Lyrikerin entworfenen Räumen samt deren trefflichem Ambiente"

aus der Jurybegründung der Internationalen Bodenseekonferenz

"Christine Langers "Lichtrisse" bestechen durch Verve, rhythmische Energie und formale Kühnheit. Sie greift auf Traditionen der Natur- und Liebeslyrik von Ovid bis Friederike Mayröcker zurück und verbindet die beiden großen Themen - Natur und Erotik - mit einem ihr ganz eigenen, ungestümen Pulsschlag zu kommunizierenden Sprachfeldern. Durch Synkopen, Alliterationen von federnder Plastizität entsteht eine Wortmagie, die uns rascher atmen, genauer sehen und heftiger träumen läßt."

Joachim Sartorius

"Was mir an dieser Lyrik so besonders gefällt, kommt aus der Unangestrengtheit gewisser Parlando-Stellen, die dann Halbtöne entstehen läßt und den Gedichten ihre unverkennbare Eigenart (Handschrift) einräumt, die sie brauchen, um dem Leser das Gefühl einer - so paradox es klingt - familiären Zugehörigkeit (oder einfach des Selbstverständlichen) zu geben."

Oskar Pastior

"Christine Langers Gedichte sind suchende und fragende Auseinandersetzungen eines Sprechenden in der Sprache und dadurch von jener Komplexität, durch die Lyrik erst interessant und unverwechselbar wird."

Kurt Drawert

"Christine Langer gelang es zunehmend, Lebens- und Erlebenssituationen in poetische Augenblicke zu verwandeln: Sie weiß, die lyrische Sprache ist nicht zuletzt dadurch charakterisiert, daß sie den (Zeit)Raum zwischen den Worten beachtet - so entstehen fragile Gebilde, gleichsam licht- und luftdurchlässige Texte von besonderem Reiz."

Jürgen Engler

"Diese Gedichte sind einfach sehr schön."

Friederike Mayröcker

"Mit "Lichtrisse" präsentiert Christine Langer naturverbundene Lyrik, die sich mit verschiedenen Umgebungen und deren Wirkung auf Körper und Geist befaßt. Der Titel ist programmatisch zu verstehen: Bejahung, Freude und Begeisterung treffen auf Schäden, Risse und Schmerzen. Christine Langer schreibt vor allem Natur- und Liebeslyrik - und steht damit, "naturgemäß" möchte man sagen, in einer jahrhundertealten Tradition. Da ist es nicht leicht, noch einmal etwas neu zu sehen und zu sagen - aber trotzdem möglich. Natur- und Körpererfahrung verschmelzen in ihren besten Texten auf unerhörte Weise."

Matthias Kußmann, Deutschlandfunk

"Ganz ungewöhnlicher Ton in der Dichtung dieser Jahre. Obwohl nah an der Jahreszeiten-Lyrik und dem erotischen Zauber, findet Christine Langer einen neuen, sinnlichen, wunderbar fremden Ton für das alte, immer neue Wunder."

Rolf Michaelis, DIE ZEIT

"Zu entdecken: eine große Dichterin."

Rolf Michaelis, DIE ZEIT

"Dichterin der Augen das verrät schon der Titel Lichtrisse, der von Paul Celan stammen könnte. Wunderbare Bereitschaft, alles wahrzunehmen, was die Welt darbietet. Nicht nur "Tage, lichtdurchkreuzt", "Erdlicht", sondern die matteren Farben: "Goldlaub", "Ferner Staub über frisch gepflügten Äckern". Und die Schatten, die zum Licht gehören. Und die Wolken, die eine "Tonleiter im Fluß" malen, ja singen.

Dichterin des Ohres die 1966 in Ulm geborene Autorin schaut die Welt nicht nur an, sie lauscht auf jeden Laut: "Wo Sekunden wie Lieder vergehen" - "Singende Triebe, singspielende Amsel, schneeknisternder Schritt" - "Molltöne im Geäst", bis hin zu "Tönen, die weich stimmen, Sonaten im Herz".

Dichterin der Körper wer so mit wachen Sinnen Natur und Jahreszeiten besingt, schließt Aug und Ohr auch nicht in der Kammer. Lange nicht gab es so schöne, offen verschwiegene Gedichte über (körperliche) Liebe. Wenn von "Falten", von "Narben" gesprochen wird, bleibt Altern, bleiben Wunden nie ausgegrenzt. Da wird der Titel, Lichtrisse, auf andere Weise wahr.

Beginnt nicht gleich das erste Gedicht mit dem Wort "barfuß"? Und stets bleibt die nackte Sohle gegenwärtig. " Daumen, Graben, das Schenkelbett, / Den weichsten Punkt kennst du im Schlaf" - "Und, als wäre Henry Purcell zu hören, erklingen Weichmelodien, / Aber es ist nur unsere Haut die aneinander reibt." Zu entdecken: eine große Dichterin."

Rolf Michaelis, DIE ZEIT

In einem gründlichen Delirium der Sinne erkundet sie die Natur und gelangt über geheimnisvolle Bilder, präzise Zeilenbrüche und prickelnde Wortkaskaden zu erfahrungsgesättigten Gedichten, die nicht nur vorstellen, was der Autorin irgendwann auf ihren Exkursionen in die Natur begegnet ist, sondern die nachempfinden lassen, worauf es dabei ankommt.

Ihre Gedichte sind poetische Erkenntnisinstrumente, welche die Naturerscheinungen in ihren Ähnlichkeiten und Differenzen, in ihrer subjektiven Ordnung und Bedeutung zu entziffern versuchen. Sie sind in ein eigentümliches Licht getaucht, das die rationale Welterfahrung brüchig werden lässt, in ein Zwielicht, das die Gegenstände nicht voneinander scheidet, sondern die natürliche Ambivalenz sichtbar macht, auf deren Grundlage alles Leben beruht.

In einer vielschichtigen Durchmessung der Natur werden Christine Langers Gedichte zu poetischen Exerzitien über die Existenz alles Natürlichen.

Die komplette Kritik gibt es HIER

Peter Kapp, Poetenladen, zu Christine Langers "Lichtrisse"

"Christine Langer ist maßgeblich beteiligt an der beachtlichen literarischen Zeitschrift "Konzepte", die jungen deutschsprachigen Talenten ein Forum bietet."

Wulf Segebrecht, Frankfurter Allgemeine Zeitung

"Christine Langer können vier Zeilen genügen, um einen starken Eindruck zu hinterlassen."

Christoph Haas, Süddeutsche Zeitung

"Je mehr man sich vertieft in diesen Gedichtband, um so mehr gerät man in den Sog der Sprache von Christine Langer. Um so mehr gerät man hinein in eine Sprache, die in ihrer Rhythmik, in ihrem - wie Joachim Sartorius es nennt - "ungestümen Pulsschlag" mitreißt mit einer "Wortmagie", die ganz eigen ist. Diese Gedichte sind schön und gleichzeitig mehr: in ihrer Fragilität zerbrechlich und stark zusammengebunden zugleich, beinahe beiläufig beredt und doch mit Nuancierungen, die äußerst exakt, bestechend genau sind. Auf jeden Fall verraten sie eine eigene Handschrift. Eine Entdeckung!"

Uli Rothfuss

"Leicht, beinahe spielerisch löst die Lyrikerin die Ebenen von Zeit und Ort auf, bindet sinnliche Wahrnehmungen an konkretes Wissen und läßt so ein neues Bild entstehen."

aus der Jurybegründung, Künstlergilde Esslingen

"Im Rhythmus ihrer Sprache steckt hörbar Musikalität."

Petra Kollros, Südwest Presse

"Ihre in der Tradition von Ovid bis Friederike Mayröcker pulsierende Naturlyrik erscheint als sensitives Geäst eigener Handschrift, in das es sich ohne Hast zu versenken lohnt."

Roland Mayer, Neu-Ulmer Zeitung